Musical

Der Fliegende Holländer – Das Musical

Wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, kommt heute meine kleine Rückmeldung zu meinem Besuch bei „Der Fliegende Holländer“ im WDR Funkhaus. Ich bin etwas spät dran… dafür möchte ich mich entschuldigen.

Die Karte für den Holländer habe ich recht spontan bekommen, da mich ein Freund gefragt hat, ob ich Lust hätte. Er hätte noch eine Karte übrig.
Natürlich habe ich zugesagt. Vorallem nachdem ich mir die Besetzungsliste angesehen hatte.
Vom Thema hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich kannte Davy Jones von „Fluch der Karibik“ und ich kannte dieses kurze Zitat von diesem bekloppten Schmetterling aus „Das Letzte Einhorn“ (Mal im ernst: Dieses Insekt ist doch aus ’nem Irrenhaus entflogen^^)

Es handelte sich an diesem Abend nicht um eine „komplette“ Musicalinszenierung, sondern um eine konzertane Aufführung. Es gab genau zwei Termine, mehr nicht.
Gespielt haben an dem Abend Chris Murray, Milica Jovanovic, Richard-Salvador Wolff und Thomas Bayer, sowie ein Chor (Vocal Journey) und natürlich das WDR-Funkhaus-Orchester.
Was genau ist eine konzertane Aufführung?
Es wurde das komplette Musical gesungen, es wurden alle Texte gesprochen, es wurde auch gespielt. Aber es gab kein Bühnenbild, keine Inszenierung in dem Sinne. Die Bühne für die Sänger und Schauspieler war recht klein, die Kostüme minimalistisch.
Es war für mich das erste Mal, dass ich eine solche Aufführung gesehen habe und ich war aufjedenfall sehr gespannt. Es war für mich auch das erste Mal, dass ich gar nicht darüber wusste, wohin ich da ging. Ich kannte keine Geschichte und keine Musik.

Als erstes lass mal gesagt sein, dass es mich enorm nervt, dass die Sicherheitsmaßnahmen in den Häusern mittlerweile so hoch sein müssen. Ich MUSSTE meine Jacke und meine Tasche an der Garderobe abgeben. Wer mich kennt, weiß, dass ich es hasse, fremden Menschen meine Sachen zu überlassen. Ich war froh, dass ich einen Pulli mit Taschen hatte, sodass ich Handy, Geld und Schlüssel bei mir behalten konnte.
Mein Sitzplatz war ganz rechts in der zweiten Reihe. Mega genial, sag ich da nur.
Der Saal war recht schön, mit einer riesigen Orgel vorne an der Wand (vielleicht kennt den jemand aus’m Fernsehn.) und einem wirklich riesigen Orchester, die alle schon da saßen und ihre Instrumente einspielten.

Und dann fing es nach einer kurzen Ansprache von einer blonden Frau auch schon an.
Und Mensch, die Akkustik in diesem Raum war absolut bombastisch. Ich habe noch nie solche Musik in so guter Qualität gehört. Es war wirklich schön und ich hatte fast die ganze Zeit Gänsehaut.
Die Musik war aber auch wirklich klasse. Es gab an dem ganzen Abend nicht ein Stück, dass mir nicht gefallen hätte. Die Melodien gingen direkt unter die Haut, die Performance war ebenfalls sehr gelungen. Natürlich merkte man dem Chorensemble an, dass es nicht die schauspielerische Erfahrung und Ausbildung hatte wie jetzt die anderen vier. Aber dennoch haben sie eine tolle Leistung erbracht und es hat sehr viel Spaß gemacht.

Milica kannte ich schon aus Tecklenburg und war mal wieder von ihrer wunderschönen Engelsstimme begeistert. Ihre Stimme ist wunderbar hell und klar und ihr Spiel ist natürlich. Es macht mir immer wieder Freude, sie auf der Bühne zu sehen.

Auch Richard hatte ich in Hamburg schon auf der Bühne erleben dürfen und war auch hier wieder restlos glücklich. Er ist für mich einer dieser Menschen, der mich einfach zufrieden und glücklich macht. Da muss er nicht mal viel für tun. Ich mag seine Art zu spielen und zu singen einfach sehr gerne. So warm und lieb und einfach nur toll.

Wen ich gar nicht gekannt habe, war Thomas Bayer.
Und in der ersten Sekunde hat er mich restlos überzeugt. Man merkt einfach direkt die ganz alte, klassische Schule im Spiel und im Gesang. Die Aussprache war klasse, jedes Wort drang durch den ganzen Raum, jede Melodie ging durch Mark und Bein. Einfach großartig. Dieser Mensch hat an dem Abend einen neuen Fan gewonnen.

Kommen wir zu guter letzt zu Chris.
Ihn kannte ich, hatte ihn aber auch noch nie live gesehen.
Von Videos und Tonaufnahmen war ich nie so ganz begeistert. Ich fand ihn gut, aber irgendwas hat bei mir einfach nie angeschlagen.
Tja, an dem Abend war diese Phase vorbei. ^^
Dieser Mann hat eine Ausstrahlunge, eine Präsenz auf der Bühne, die ist der Wahnsinn. Das erlebt man wirklich nicht oft. Sobald er da war, war die Energie im Raum sofort greifbar und ich konnte ihn nur fasziniert beobachten und genießen.
Das kann man auf Videos wahrscheinlich gar nicht so einfangen. Es war atemberaubend. Einfach göttlich!

 

So, nachdem ich mich jetzt über alles ausgelassen habe, was mir gefallen hat, kommen wir zum anderen Teil.

Das Musical hat tolle Musik, es waren tolle Musiker, Schauspieler und Sänger dabei.
Aber die Geschichte an sich war für mich echt eine riesige Baustelle…

Die Lieder waren teilweise nicht in die Handlung eingebunden, die Beziehungen der Figuren nicht genug ausgearbeitet, die Geschichte löchrig.
Wie ich hier betonen möchte, dass lag nicht an den Darstellern. Es lag an der Geschichte an sich.
Angefangen hatte es für mich direkt nach dem ersten Lied.
Es war ein sehr schönes und gelungenes Opening. Die Manschaft entkam einem Sturm, der Kapitän führte sein Logbuch und teilte dann Erik zur Nachtwache ein.
Dann fing Erik an, sein Lied zu singen.
Er sang davon, dass er seine Liebste (Senta) vermisse und sie sein Licht in der Nacht sei.
Das ist auch ok. Er kann an seine Liebe denken, so mitten in der Nacht, bei der Wache. Aber für mich fehlte der Auslöser. Wenn er ein Bild angeschaut hätte oder vorher ihren Namen geseufzt hätte, wäre es gut gewesen. Aber so fing er plötzlich an zu singen und ich wusste zuerst nicht, was wirklich los war.
Oder aber die Beziehung zwischen Senta und dem Holländer.
Es wird etabliert, dass er sich nach Erlösung sehnt, nach einer Frau, die ihn rettet. Es wird etabliert, dass Senta jede Nacht von ihm träumt. Die beiden haben eindeutig eine Verbindung zueinander, obwohl sie sich noch nicht kennen.
Es kommt zu ihrem ersten Treffen und es passiert nichts!
Er entschließt sich kurzerhand, dass sie die Frau ist, die ihn erlösen soll und sie reagiert überhaupt nicht.
Wenn vorher diese Verbindung so stark angedeutet wird, kann man sie doch beim ersten Treffen nicht so ignorieren. Von ihr war es zu wenig Reaktion und von ihm zu viel. Es war seltsam.
Auch der weitere Verlauf zwischen den beiden ist echt schräg gewesen für mich.
Zwischen den beiden entwickelte sich für mich nicht viel, dann im zweiten Akt plötzlich „BÄMM!“ Völlig aus dem Nichts fragt sie sich, warum er so anziehend auf sie ist und er verführt sie in einer spannungsgeladenen Szene dazu, ihm zu folgen. Das Lied und die Szene waren Gänsehaut pur. Wirklich. Aber der Verlauf der Geschichte an sich war einfach undurchdacht in meinen Augen.
Zwischenzeitlich hab ich gedacht: „Joa, die beiden haben sich einfach vertan. Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun. Und irgendwo sitzt eine Frau, die davon träumt, den Mann ihrer Träume von seinem Fluch zu befreien.“ xD Kurze Anmerkung noch dazu: Wenn Senta von ihm geträumt hat, waren das in ihren Augen Alpträume. Richtige Alpträume. Nichts, worauf sich eine romantische Beziehung aufbaut.

Und so ging es für mich das ganze Stück. Musik und Künstler einsame spitze, Geschichte eine einzige Katastrophe… Die Spannungselemente wurden einfach nicht richtig auserzählt. Man hätte noch zwischen dem Holländer und Erik was aufbauen können, zwischen Daland und seiner Tochter. Es war so viel Potenzial da!
Bestimmt kann man da in einer richtigen Inszenierung nochmal was rausholen, aber ich würde definitiv noch ein bisschen mehr Handlung/Beziehungen dazuschreiben und einige Dinge umstellen.

Trotzdem war es ein wirklich gelungener Abend und eine tolle Aufführung.
So ein richtiges Orchester ist doch mal was anderes als die Sparversionen von StageEntertainment.
Eine CD von diesem Musical fänd ich sehr toll. Die würde ich direkt kaufen. Wie gesagt, die Musik hat mich direkt eingefangen. Emotional und packend. Die Ohrwürmer halten sich bis heute.

Wer sich ein eigenes Bild von dieser Aufführung machen möchte, kann sich den Livestream anschauen.
JA! Es gibt eine offizielle Aufnahme von diesem Abend. Ich habe sie mir auch nochmal angeschaut und werde es in diesem Jahr noch mehrmals tun.
Online kann man den Stream noch bis Februar 2019 in der WDR-Mediathek schauen.
Hier ist der Link zur Mediathek.
Anschauen lohnt sich definitiv. 😉

In dem Sinne,

Ciao und bis zum nächsten Musical

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